VfL Wolfsburg: Fußball wird nicht nur in der GmbH gespielt

         
Hochleistungsfußball am Elsterweg: Auch die U17-Mädchen des VfL (hier Vanessa Praher beim Jubel-Salto im September 2019) gehören nicht zur GmbH, sondern zum VfL e.V. Fotos: Boris Baschin, Tim Schulze, Boris Schmelter
Hochleistungsfußball am Elsterweg: Auch die U17-Mädchen des VfL (hier Vanessa Praher beim Jubel-Salto im September 2019) gehören nicht zur GmbH, sondern zum VfL e.V. Fotos: Boris Baschin, Tim Schulze, Boris Schmelter
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Wer über die Fußballer des VfL Wolfsburg spricht, meint in der Regel die VfL-GmbH, die in den Allerwiesen ihr Zuhause hat. Aber auch der VfL e.V. hat nach wie vor eine rege Fußball-Abteilung – in der beispielsweise Nachwuchskicker zum Teil unter Bedingungen trainieren, die denen der Profis schon sehr ähnlich sind.  

Silviu Vuia muss schmunzeln, als er von diesem September-Tag 1989 erzählt. Er war gerade mal eine Woche lang in Wolfsburg, nachdem er zusammen mit Ioan Tirban aus Rumänien nach Deutschland geflüchtet war. Zu Fuß. Eine Tortur. Und doch wusste er kurze Zeit später beim Probetraining beim damaligen Fußball-Oberligisten VfL Wolfsburg zu überzeugen. „Der Schwarzhaarige ist gut“, sagte kein geringerer als Horst Hrubesch, Europameister von 1980 und damaliger VfL-Trainer – und meinte damit Vuia.  

1990 unterschrieb der ehemalige Mittelfeldspieler einen Vertrag in Wolfsburg, später stieg er mit dem Klub in die 2. Liga auf. Heute ist Vuia Trainer der Ü40 und Ü50. Es sind die beiden letzten Herrenteams, die zum VfL Wolfsburg e.V. gehören. Vuia schaut primär auf seine Teams, aber ab und an ist er an den Wochenenden in der VW-Arena, wenn die Bundesliga-Profis im Einsatz sind. Als Josué am 23. Mai 2009 in der VW-Arena die Meisterschale in die Höhe stemmte, war Vuia auch mit dabei. Er erlebte die Partystimmung in Wolfsburg hautnah mit. Spätestens dieser Erfolg machte den Klub weltweit bekannt. Die VfL-Profis sind das Flaggschiff des Vereins, da widerspricht auch Vuia nicht. Sie gehören zu der 2001 gegründeten VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, aber Fußball wird beim VfL auch fast 20 Jahre nach der Ausgliederung der Profis nicht nur in der GmbH gespielt. Fußball – das ist beim VfL immer noch ein großes Thema im e.V., die Fußballabteilung hat knapp 500 Mitglieder, mit Volker Heling als Abteilungsleiter an der Spitze.
Silviu Vuia
Silviu Vuia
Der ehemalige Sparkassen-Filialleiter, seit 1995 beim VfL, staunt immer mal wieder darüber, wie die Fußballabteilung gewachsen ist. Damals, als er kam, waren die Verhältnisse längst nicht so professionell wie heute. Weil es zu wenig Plätze gab, mussten VfL-Mannschaften etwa auf die Sportanlagen in Brackstedt oder beim TSV Wolfsburg ausweichen. Helings Frau Regina brachte ab und an mal Kaffee und Kuchen für alle mit. „Sonst hätte es nichts gegeben“, erinnert sich Heling schmunzelnd. Er erinnert sich auch noch zu gut an die Zeit, als er den einstigen VfL-Manager Peter Pander ab und an fragen musste, ob es denn möglich sei, mal einen Bus für ein Auswärtsspiel für eines der Teams zu bekommen. „Und heute steht der Bus einfach da – und gut ist...“

Heling war damals Co-Trainer von Olaf Ansorge, mit dem auch Vuia zusammengespielt hatte. Ansorge hatte den VfL 1992 zurück in den Profifußball geführt, war beim Sprung in die 2. Bundesliga Kapitän der gefeierten Aufstiegsmannschaft. Später wurde er dann Trainer der VfL-Amateure, mit denen er in die Oberliga aufstieg. Unter Ansorge-Nachfolger Michael Krüger wurde 2001 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund eine Sensation geschafft. „Eine tolle Zeit, die vergesse ich nie“, so Heling.
Nachwuchsfußball: Unterhalb der B-Jugend gehören die Mannschaften zum VfL Wolfsburg e.V.
Nachwuchsfußball: Unterhalb der B-Jugend gehören die Mannschaften zum VfL Wolfsburg e.V.
Probleme, allen seinen Mannschaften einen Trainingsplatz anzubieten, hat der VfL heute nicht mehr. Heutzutage trainieren Teams wie die U23 oder die Bundesliga-Frauen, die neben den Profis sowie der A- und B-Jugend der GmbH zugeordnet sind, auf dem Gelände des e.V. am Elsterweg. Dafür zahlt die GmbH Miete. „Wer wie wo wem unterstellt ist, diese Trennung gibt es bei uns im Verein nicht. Wir alle zusammen sind der VfL Wolfsburg“, betonen Heling und Vuia unisono. Wie Heling hängt Vuia am VfL. Bis zum vergangenen Jahr hatte er noch selbst gespielt, „aber mein Rücken hat nicht mehr mitgemacht“, schildert der 57-Jährige. Spaß hat er am Fußball aber immer noch – auch, weil seine Altsenioren-Truppe in den vergangenen Jahren viele Erfolge hatte feiern dürfen. Kreismeister, Pokalsieger, in diesem Jahr Niedersachsenmeister in der Halle. Vuia begeistert: „Wir haben viele Spieler, die mal höher gespielt haben. Jeder ist bereit, immer zum Training zu kommen – egal, wie das Wetter ist. Und aufhören will auch keiner. Ich bin sehr glücklich, solch eine Mannschaft trainieren zu dürfen.“

Neben den beiden Altsenioren-Mannschaften werden auch die U16, U15, U14, U13, U12 und U11 bei den Jungs sowie das zweite Frauen-Team, die U17, U15, U13 und U11 bei den Mädchen als VfL-e.V.-Teams geführt. Beim männlichen Nachwuchs ist mit Mathias Stammann ein Bundesliga-Aufstiegsheld des Klubs als Leiter für den Grundlagen- und Aufbaubereich der U14 bis zur U11 im Nachwuchsleistungszentrum zuständig. „Wir suchen die Talente aus der Region, sichten sehr früh und versuchen die Spieler zu holen und bestmöglich auszubilden“, erklärt Stammann. In jeder Jugend hat der Klub nur eine Mannschaft. „Wir setzen auf Leistungs-Fußball. Die Jungs machen das gut“, lobt Stammann. Sie sind in jeder Altersklasse ganz vorn, oder vorn mit dabei. In der vergangenen Saison etwa stach die C-Jugend, die in der Bezirksliga spielt, heraus. Obwohl die Saison wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendet werden musste, „haben die Jungs weit über hundert Tore geschossen“.
Erfolgreiche Oldies: Das Ü40-Team des VfL Wolfsburg e.V. fährt in der Halle und auf dem Feld regelmäßig Titel ein.
Erfolgreiche Oldies: Das Ü40-Team des VfL Wolfsburg e.V. fährt in der Halle und auf dem Feld regelmäßig Titel ein.
Ob nun im Porschestadion, wo das Nachwuchsleistungszentrum beheimatet ist oder auf der Anlage des VfL e.V. am Elsterweg – die VfL-Talente trainieren unter Top-Bedingungen. „Früher“, sagt Stammann, „hatten wir nicht mal einen Trainingssatz für alle Mannschaften.“ Nun habe der Klub mit Nike einen Top-Ausrüster oder etwa beheizbare Kunstrasen-Plätze. „Wenn ich überlege, worauf ich so früher trainieren musste und was die Jungs jetzt so haben – das ist schon Wahnsinn. Wir geben halt alles dafür, damit schon bald Jungs wie Maxi Arnold und Robin Knoche von uns in der VW-Arena spielen können“. Talente, die in den Nachwuchsteams des VfLe. V. gereift waren. Text: Engelbert Hensel

Rettung aus Gelsenkirchen

Als kurz nach der Gründung des VfL 1945 einige Fußballer gleich wieder den Verein verließen, um den 1. FC Wolfsburg zu gründen, war lange nicht klar, wie stark die neuformierte VfL-Mannschaft werden könnte. Im November 1946 kam dann Schalke 04 zu einem Freundschaftsspiel nach Wolfsburg, und VfL-Abteilungsleiter Rudolf Zenker überredete sechs S04-Spieler, in Wolfsburg zu bleiben, lockte mit VW-Jobs. Es klappte – und schon zwei Jahre später war der VfL mit Schalke-Verstärkung in die Landesliga aufgestiegen
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