Fußball Bundesliga 2017/2018

Der Fluch des Erfolgs

Dem SC Freiburg wurden mal wieder wichtige Spieler weggeschnappt – von Klagen keine Spur. Mut macht einer, der schon mit Zidane trainiert hat.

Der Schnellcheck

Die Trikots

Heim                   Auswärts
Heim                   Auswärts

Das Stadion

Der Fluch des Erfolgs Image 2
Schwarzwald-Stadion
Eröffnung: 1954
Kapazität: 24 000

Die Zugänge

Pascal Stenzel
Borussia Dortmund, 4 Mio. (war bereits ausgeliehen)

Florian Niederlechner
1. FSV Mainz 05, 2,3 Mio. (war bereits ausgeliehen)

Bartosz Kapustka
Leicester City, Leihe 0,5 Mio.

Philipp Lienhart
Real Madrid Castilla, Leihe 0,5 Mio.

Florian Kath

1. FC Magdeburg, Leih-Ende

Tim Kleindienst
1. FC Heidenheim, Leih-Ende

Caleb Stanko
FC Vaduz, Leih-Ende

Jonas Meffert
Karlsruher SC, Leih-Ende

Die Abgänge

Maximilian Philipp
Borussia Dortmund, 20 Mio.

Vincenzo Grifo
Borussia Mönchengladbach, 6 Mio.

Sebastian Kerk
1. FC Nürnberg, 0,5 Mio. (war bereits an K’lautern verliehen)

Havard Nielsen
Fortuna Düsseldorf, 0,4 Mio.

Amir Falahen
Ziel unbekannt

Fabian Menig
Preußen Münster, ablösefrei (war bereits an VfR Aalen ausgeliehen)

Marc Torrejon
Union Berlin, ablösefrei

Fabian Schleusener
Karlsruher SC, Leihe (war bereits an FSV Frankf. verliehen)

Jonas Föhrenbach
Karlsruher SC, Leihe

Fest verpflichtet: Der bis dato nur ausgeliehene Florian Niederlechner war mit elf Treffern bester Freib
Fest verpflichtet: Der bis dato nur ausgeliehene Florian Niederlechner war mit elf Treffern bester Freib
Von Klagen hält Christian Streich nicht viel. Oder zumindest weiß er, dass sie ihm in seiner Position als Trainer des SC Freiburg nicht viel bringen. Als eines der finanzschwächsten Teams können sie im Schwarzwald eben nur mit den Schultern zucken, wenn ein Ligakonkurrent sich für einen ihrer Spieler interessiert.

Und nach der abgelaufenen Überraschungssaison, die auf Platz sieben und damit in der Qualifikationsrunde für die Europa League endete, war das – mal wieder – der Fall. Mit Maximilian Philipp (Dortmund) und Vincenzo Grifo (Mönchengladbach) verließen den Sportclub prägende Figuren. Ohne sie scheiterten die Breisgauer in jener Quali gegen den slowenischen Außenseiter NK Domzale (1:0, 0:2). Der Fluch des Erfolgs.

Es ist freilich nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass den Freiburgern die besten Spieler weggekauft wurden. Als besonders mahnende Parallele dient die Saison 2012/13, als sich der SC auf Platz fünf direkt für die Europa League qualifizierte, allerdings nach dem Weggang der Leistungsträger Max Kruse, Daniel Caligiuri und Cedric Makiadi danach auf Platz 14 abstürzte – ehe in der darauffolgenden Saison der Abstieg in die 2. Liga folgte. Wie verkraftet der SC die Abgänge diesmal?

Als Christian Streich Anfang Juli außer den beiden nun auch fest verpflichteten Leihspielern Florian Niederlechner (Mainz) und Pascal Stenzel (Dortmund) immer noch keinen externen Neuzugang begrüßen konnte, murrte er zwar: „Jeder Tag, an dem einer noch nicht da ist, ist einer zu viel.“ Doch er weiß natürlich nur zu gut, dass die Mittel im Breisgau begrenzt sind. „Das Rad dreht sich nach oben, und wir wollen nicht so viel Geld für junge Spieler bezahlen und unseren Rahmen nicht sprengen“, erklärte er. Die Philosophie des Klubs ist ja ohnehin eine ganz andere.

Deswegen sind die Neuzugänge, die dann doch noch kamen, vor allem: jung. Mit dem Österreicher Philipp Lienhart kommt ein 21-jähriger Innenverteidiger aus der zweiten Mannschaft von Real Madrid, er ist U21-Nationalspieler. „Er hat mit Zidane trainiert“, lässt Streich verheißungsvoll wissen. Dazu Bartosz Kapustka (20) von Leicester City. Trainerlegende Ottmar Hitzfeld sagt: „Streich ist ein Vorbild für seine Kollegen. Er jammert nicht, wenn ihm wieder seine Spieler weggekauft werden: Er sucht Alternativen, integriert sie und ist wieder erfolgreich. Darin ist er Meister.“ Und immerhin: Bis auf einen Ausrutscher gegen Sandhausen (0:3) gewann der SC seine fünf Testspiele.


Der Manager

Wir müssen wieder sehr schlau sein

Jochen Saier (39) ist seit 2002 beim SC. Bis 2013 leitete er die Freiburger Fußballschule, mittlerweile ist er Sportvorstand.
Jochen Saier (39) ist seit 2002 beim SC. Bis 2013 leitete er die Freiburger Fußballschule, mittlerweile ist er Sportvorstand.
Von Jochen Saier

Wir haben in der letzten Saison mit einer tollen Truppe als Aufsteiger eine sehr stabile Saison gespielt. Platz sieben ist einfach etwas Besonderes für den Bundesligastandort Freiburg.

Das hat Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt, weswegen wir nach den Abgängen von absoluten Leistungsträgern wieder Lücken im Kader schließen mussten. Eine Situation, die wir gewohnt sind. Dennoch wird es für einen vermeintlich Kleinen wie uns immer komplizierter, auf diesem überhitzten Transfermarkt Ersatz zu finden. Wir müssen wieder sehr schlau sein.

Unser Trainer Christian Streich und ich arbeiten jetzt schon im 15. Jahr zusammen, erst in der Jugendabteilung, jetzt schon länger bei den Profis. Wir sind dabei immer sehr vertrauensvoll durch Höhen und Tiefen gegangen. Daran wollen wir festhalten.

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Der Trainer

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Christian Streich (52) ist der dienstälteste Trainer (seit Anfang 2012) aller Bundesligaklubs. Der ehemalige Freiburger Jugendtrainer (seit 1995) hat den SC als Aufsteiger in die Europa- League-Qualifikation geführt. Setzt sich zudem abseits des Platzes für gesellschaftliche Themen ein – oder auch mal für in der Kritik stehende Trainerkollegen.


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