Titel wie am Fließband

Triple knapp verpasst, grandioser Double-Gewinn
Foto: Darius Simka/regios24
Foto: Darius Simka/regios24
Glasfaser made in Wolfsburg
Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg sind nach der vierten deutschen Meisterschaft in Folge (sechste insgesamt) und dem fünften DFB-Pokalerfolg in Folge (siebte insgesamt) weiter das Nonplusultra im deutschen Frauenfußball – und das trotz zwischenzeitlich knapp dreimonatiger Pause von März bis Mai aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie. Die Meisterschale sicherte sich der VfL bereits vorzeitig am drittletzten Spieltag durch einen 2:0-Erfolg gegen den SC Freiburg, im DFB-Pokalfinale gegen die SGS Essen zwang der Außenseiter die Wolfsburgerinnen bis ins Elfmeterschießen (nach 120 Minuten stand es 3:3). Die herausragende Friederike Abt (Foto) parierte unter anderem zwei Elfmeter der Schönebeckerinnen. „Zu der einen oder anderen Person habe ich gesagt, wenn ich noch Haare hätte, hätte ich heute welche verloren oder sie wären grau geworden“, schmunzelte Trainer Stephan Lerch nach dem Finale. „Es war sehr packend für uns, da fallen einem viele Steine vom Herzen, wenn der letzte Elfmeter reingeht.“

Neben den Titeln stellte der Double-Gewinner aber auch noch zwei interne Rekorde auf: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde der VfL ungeschlagen Meister. In 22 Spielen gab es 20 Siege und zwei Unentschieden (jeweils gegen den FC Bayern). Und mit einer Ausbeute von 62 Zählern konnten die Wolfsburgerinnen dazu noch ihren bisherigen Punkterekord der Saison 2018/2019 (59) übertreffen.

Beim Endturnier der Champions League in Spanien vom 21. bis 30. August startete der VfL im Viertelfinale mit einem starken 9:1-Sieg gegen Glasgow City. Im Halbfinale tat man sich in einem hart umkämpften Spiel gegen den FC Barcelona lange schwer, doch ein Tor von Fridolina Rolfö machte den Einzug ins Finale letztendlich perfekt – und dort wartete wieder einmal Olympique Lyon. Zum fünften Mal in Folge war für die VfLerinnen im wichtigsten Wettbewerb im europäischen Vereinsfußball gegen Titelverteidiger Lyon Endstation – die Lerch Elf unterlag mit 1:3, hatte nach einer schwachen ersten Halbzeit im zweiten Durchgang Vollgas gegeben und sich tapfer gewehrt. Gerade als die Wolfsburgerinnen dem Ausgleich scheinbar nahe waren, traf Ex-VfLerin Sara Björk Gunnarsdottir kurz vor Schluss nach einer Ecke zum 3:1-Endstand für die Französinnen. „Die Enttäuschung ist sehr groß, gar keine Frage. Wir haben uns viel vorgenommen, was wir im Vorfeld auch betont haben. Vielleicht haben uns dann doch noch ein paar Prozent gefehlt, die dann ausschlaggebend waren, sowohl in der Defensive bei den Gegentoren als auch in der Offensive, um den Ausgleich zu erzielen. Doch diese Prozent dürfen nicht fehlen“, bedauerte Lerch nach Abpfiff.
 
Das Turnier hat die Mannschaft trotz Niederlange allerdings noch einmal ordentlich zusammengeschweißt, wie Kapitänin Alexandra Popp verriet: „Wir waren jetzt sehr lange Zeit an einem Fleck und gerade auch die neuen Spielerinnen haben sich toll integriert, wie man in den letzten Spielen auf dem Platz gesehen hat. Das lässt auf viel Positives für die kommenden Aufgaben hoffen.“

Popp sieht ihr Team für die neue Spielzeit gut gerüstet, mit dem FC Bayern zählt der VfL weiter zu den Topfavoriten auf die nationalen Titel. Beide Vereine verfügen mit großem Abstand über die zwei stärksten Kader der Liga. Die Münchnerinnen sorgten mit den Verpflichtungen vom deutschen Offensivduo der Zukunft, Klara Bühl (kam vom SC Freiburg) und Lea Schüller (SGS Essen), für ein Ausrufezeichen – die Lücke zum VfL soll endlich geschlossen werden. Für Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, ist bereits klar: „Wenn wir und der FC Bayern in der kommenden Saison nicht die ersten beiden Plätze belegen, ist in den Vereinen viel schiefgelaufen.“ Die Zielsetzung bleibt wie zu erwarten der maximale Erfolg – und das sind im Optimalfall alle drei Titel!

Dabei muss man beim VfL auf einige Änderungen reagieren: Die Abgänge von Schlüsselspielerinnen wie Pernille Harder (stand bei Redaktionsschluss unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Chelsea), Sara Björk Gunnarsdottir (Olympique Lyon) und Noelle Maritz (FC Arsenal) schmerzen. Auch Hedvig Lindahl (Atletico Madrid), Madelen Janogy (Pitea), Kristine Minde (Rosenborg BK), Claudia Neto (AC Florenz) und Jana Burmeister (TSV Barmke) verließen den Verein. Mit den Verpflichtungen von Kathrin Hendrich (FC Bayern), Pauline Bremer (Manchester City), Katarzyna Kiedrzynek (Paris Saint-Germain) und Lena Oberdorf (SGS Essen) bleibt der VfL aber auch in der neuen Spielzeit weiter gut aufgestellt.
zurück zur Übersicht Frauen-Bundesliga 2020/21